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04. Mai 07

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SoNicht

Sehe ich nicht so. Oder sieht mein Fall etwa so aus?

Im Jahre 2002 kam ich, der ich zu diesem Zeitpunkt arbeitslos war und in Meiningen wohnte, in Kontakt mit der Thüringer Akademie Erfurt GmbH (Unternehmensgruppe Dr. Döllekes). Dort berichtete man mir, dass die CIS Institut für Mikrosensorik gGmbH in Erfurt dringend qualifiziertes Personal zwecks Festanstellung suche. Ein Vorstellungsgespräch mit einem Vertreter der Thüringer Akademie Erfurt GmbH vor Ort im CIS Institut für Mikrosensorik gGmbH, an dem u.a. auch der Leiter desselben, Herr Dr. Freitag teilnahm, verlief positiv. Man teilte mir mit, dass ich zunächst ein unbezahltes Praktikum absolvieren müsse, während dem man sich einen Überblick über meine Fähigkeiten verschaffen wolle. Seien meine Leistungen während des Praktikums gut, so beabsichtige man, mich fest einstellen. Meine Leistungen waren, wie auch im Arbeitszeugnis bestätigt wurde, sehr gut.

Als man mich dann trotz der sehr guten Leistungen nicht wie versprochen nach 6 Monaten eingestellt hat, bin ich vors Arbeitsgericht Erfurt gezogen und habe, da natürlich von Seiten des CIS alles frech abgestritten wurde, den Arbeitsgerichtsprozeß verloren.

Da ich während des Praktikums und danach von Sozialhilfe lebte, mußte ich, um den Arbeitsgerichtsprozeß führen zu können, Prozeßkostenbeihilfe beantragen, die auch genehmigt wurde. Vor einigen Tagen habe ich nun ein Schreiben des Arbeitsgerichtes Erfurt erhalten, in dem die Kosten für den Arbeitsgerichtsprozeß in Höhe ca. 1400 EURO von mir zurückgefordert werden. Nicht genug damit, dass ich unbezahlt gearbeitet habe. Jetzt soll ich auch noch draufzahlen. Das kommt nicht Frage. Dieses Schreiben hat bei mir wieder alles - wie eine ins Unterbewußtsein abgetauchte und dort vermoderte Wasserleiche - hochkommen lassen. Ich empfinde die Demütigung, jemals unbezahlt gearbeitet zu haben, stärker als je zuvor. Schlimm ist, dass man das Trauma, unbezahlt gearbeitet zu haben, niemals mehr los wird. Der abgrundtiefe Hass auf diejenigen, die einen in einer Notlage, wie sie die Arbeitslosigkeit darstellt, auch noch ausgebeutet haben, wird mit den Jahren immer größer. Je mehr man verdient, um so mehr merkt man, wie sehr man ausgenutzt wurde.

Wer meint fleißige MA so behandeln zu können, gehört als asoziales Unternehmen ganz dringend an den Pranger gestellt.

Alle verdienten. Die CIS Institut für Mikrosensorik gGmbH, indem es eine Arbeitskraft unbezahlt schuften lassen konnte, die Thüringer Akademie Erfurt GmbH, indem sie Gelder der Arbeitsagentur einstreichen konnte. Nur ich war der Verlierer. Kein Lohn, keine Beiträge zur Rentenversicherung und psychische Probleme. Und jetzt noch die erwähnten Kosten des Arbeitsgerichtsprozesses. Es reicht!

Ich lebe übrigens jetzt in Baden-Württemberg. Glücklicherweise. Dass ich in den Osten zurückkehren werde, ist ausgeschlossen. Das jahrelange "Überangebot" an arbeitslosen hochqualifizierten Arbeitskräften im Osten hat zu einer Verrohung des Umgangs mit dieser volkswirtschaftlich wichtigsten Ressource durch die Unternehmen geführt, die kurzsichtig war und sich nun zu rächen beginnt.

Leute ich kann Euch nur raten: kein Praktikum. Verlangt direkt, was ihr Wert seid. Und wenn die Euch noch so oft erzählen, wie wichtig ein Praktikum. Die wollen die produktivste Zeit Eures Lebens für umsonst und erzählen dafür sonstwas für Märchen.

Und wenn Ihr in einem von Arbeitslosigkeit geplagten Bundesland wie Thüringen lebt, in dem man es sich wegen des (noch) reichlich vorhandenen Fachkräfte-Pools meint erlauben zu können, dieses wie den letzten Dreck zu behandeln und auszunutzen, dann mein weiterer dringender Rat: Nichts wie weg.

Viel Glück Euch.

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